Er läuft 10.000 Kilometer zu Fuß durch Europa

Danny Fränkel hat bereits 3000 Kilometer zu Fuss zurückgelegt. Sein nächstes Ziel ist der Süden und Südosten Europas

Danny Fränkel ist im Februar in Portugal losgewandert. Seine Reise führte ihn nach Genf, bevor er sich auf den Weg nach Italien und den Balkan machen wird.
Was ist seine schlimmste und seine beste Erinnerung? Die sechs Wochen, die er in den Pyrenäen verbracht hat! Im 24-jährigen Danny Fränkel steigen die Gefühle auf, wenn er sich daran erinnert, dass er sechs Stunden lang einen steilen Pfad hinab gegangen ist und er dabei die Füße im Schnee und die Augen im Nebel hatte. Genauso lebhaft beschreibt er die Panoramen, die das Bergmassiv bietet. „Hinter jedem Felsen kommt eine Landschaft oder ein anderes Licht zum Vorschein“, berichtet der junge Deutsche voll Begeisterung.
Seit dem 19. Februar wandert Danny jetzt bereits durch Europa. Von Portugal aus marschierte er nach Frankreich, bevor er gestern in Genf angekommen ist. Auf dem Postweg soll er hier ein Ersatzteil für seinen Kameraausrüstung erhalten. Dann wird sich der Wanderer wieder auf den Weg nach Italien und den Balkan machen, bevor er in seine Heimatstadt, Gefell in Thüringen, zurückkehren könnte. Er legt zwischen 17 und 25 Kilometer am Tag zurück und will 10.000 Kilometer bewältigen. Sein Zähler zeigt bereits 3.500 km an. Diese Reise ist bereits die zweite Herausforderung, die sich der ehemalige Holzmechaniker stellt.
Im Jahr 2009 hat sich Danny schon einmal, nach einer permanenten Magenentzündung und Erschöpfung nach fünf Jahren Arbeit in der Industrie, auf den Weg gemacht. Von Deutschland aus ging er über die Beneluxstaaten nach England, dann nach Irland, bevor er der Westküste Frankreichs folgte. Es war eine achtmonatige Reise. Wie lange seine jetzige Erkundung dauern wird hängt von seiner finanziellen Situation ab: „Ich lebe von meinem Ersparten mit zwei bis drei Euro am Tag“, teilt Danny mit. Und wie schafft er das? Mit Haferflocken! Die Mahlzeiten bessert der junge Mann mit Essbarem auf, das er am Wegesrand erntet. „Derzeit ist die Jahreszeit der Früchte“, sagt er und macht mit seinem Rucksack voll Melonen einen genießerischen Eindruck. Was die Unterkunft angeht, sucht er jeden Abend ein Dickicht, wo er sein Zelt aufschlagen kann. „Eine Stirnlampe dient mir als Beleuchtung und ich habe eine Solarladegerät auch für mein Mobilfon“ erklärt Danny, der überzeugt ist, dass unsere Gesellschaft zu viel konsumiert. Sein Handy ist zwischen 19 und 21 Uhr angeschaltet. Alle zwei Wochen ruft er seine Eltern an. Alle vier Tage schickt er eine SMS an seine Schwester. Danny sagt, dass sein Kopf mit jedem Schritt freier wird und er einen neuen Blick auf Europa gewinnt, das er „unser Zuhause“ nennt. Danny träumt davon, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, von der Präsentation seiner Fotos und schriftlichen Aufzeichnungen leben zu können.

Von Laure Gabus (übersetzt ins Deutsche: von Daniela Thoma)

16. August 2011