5000 Kilometer durch Europa
Danny Fränkel aus Langgrün pünktlich am Heiligabend wieder zu Hause
Von OTZ-Redakteur Uli Drescher
Langgrün. Am 24. April 2009 berichtete OTZ über den jungen Danny Fränkel aus Langgrün, der zwei Tage später zu einer Europa-Tour auf Schusters Rappen aufbrach. Der damals 22-jährige gelernte Holzmechaniker wollte sich aus dem ganz normalen Leben ausklinken, alle Konventionen hinter sich lassen und erklärte die Natur zu seiner neuen Heimat. Fast genau acht Monate und 5000 Kilimeter Landmasse später ist er zurück.
Die Geschichte hat ein wenige Ähnlichkeit mit dem bekannten Filmtitel "So weit die Füße tragen". Während die Menschen in Langgrün das Grippenspiel erlebten, überraschte Europawanderer Danny Fränkel seine Eltern ganz unverhofft. An diesem Abend strahlten für die Familie die Kerzen vermutlich noch heller, denn sein Entschluss zur Wanderung fand vor acht Monaten nicht nur Zustimmung.
Der junge Mann, inzwischen 23 Jahre alt, ist wieder in "zivilisierter Verfassung", als er in der OTZ-Redaktion seine Geschichte erzählt. "Ich schlafe immer noch im Schlafsack", schmunzelt Fränkel, aber sonst gehe es ihm sehr gut.
In acht Monaten wanderte er mit einem Plan, Survivalwissen über essbare Pflanzen und allerhand Ausrüstung im kleinen Idyll Wetzlar bei Frankfurt/Main los. Anfangs folgte Danny Fränkel den Flüssen Lahn und Mosel nach Westen. Aus dem aufkeimenden Grün Deutschlands heraus marschierte er durch Luxemburg nach Belgien. Vergeblich hatte Fränkel versucht, für die Tour Interessenten zu finden, die ihn begleiten. "Ich muss zugeben, dass mir die Einsamkeit am Anfang zu schaffen machte", räumt der Wanderer ein. Erst nachdem er auch Brüssel einen Besuch abgestattet hatte, sei es ihm besser gegangen. Im niederländischen Eindhoven kam er wieder "richtig in Fahrt." Bis über Amsterdam hinaus prägten die malerischen Dünen den Weg, jedoch auch dicht befahrene Radwege.
Mit der Fähre setzte er nach Kingsdim upon Hull - an der mittleren Ostküste Englands - über. "Dort beeindruckten mich die nun bergig-beweideten Landschaften sowie die freundlichen Menschen." Im schottischen Edinburgh kam er gerade rechtzeitig zu einem bunten Kulturfestival.
Den oft verregneten, aber auch verwilderten See Loch Lomond oberhalb des schottischen Glasgow hatte sich der Langgrüner als nördlichsten Punkt seiner Wanderung auserkoren. Im September setzte er von dort aus seine Füße wieder nach Süden in Bewegung. "In Nordirland haben mich die Straßen-Freizeitwege frustriert", erzählt Fränkel. Per Anhalter gelangte er nach Dublin, und mit dem Bus nach Cork im Südwesten Irlands.
Von dort auf die französische Nordwestküste übergesetzt, folgte er noch fast drei Monate den Wanderwegen zu den Pyrenäenausläufern. "Am Jakobsweg-Schnittpunkt St-Jean-Pied-de-Port im Süden Frankreichs wurde mir allerdings allmählich kalt", beschreibt Danny Fränkel seine Verfassung. Er beschloss deshalb, mit dem Zug nach Deutschland zurück zu fahren.
Trotz vieler Entbehrungen, Übernachtungen in der freien Natur im kleinen Zelt, heikler Situationen und dem schweren Rucksack meint der 23-Jährige heute: "Ich habe die Reise nicht bereut." Grob geschätzt 5000 Kilomete hat er bewältigt, 80 Prozent mit Muskelkraft. "Es war nicht einfach. Ich musste zu meinem eigenen Gott werden, wenn ich alles überstehen wollte." Beeindruckende Landschaften und Begegnungen spornten ihn immer wieder zum Weitermarsch an, aber auch die Fotografie. Dazu ermunterten ihn zusätzlich auch Telefonate mit Verwandten.
Obwohl er sich jetzt wieder in die Gesellschaft eingliedert, mischen sich alte Gewohnheiten mit neuen. So tendiert Danny Fränkel mehr zum Vegetarier, möchte die Natur schützen und nutzen. Auch sein Fernweh ist nicht erloschen: "Jetzt schon sehne ich den Tag herbei, wo ich wieder meine Sachen packe. Für neue Erfahrungen und geistige Freiheit. Jeder lebt nur einmal", sagt der Mann, der gerne auch in einem Holzberuf arbeiten würde.
Auf seiner Internetseite www.wanderfalke.eu stellt Danny Fränkel seine Erlebnisse vor. In loser Folge wird OTZ demnächst exklusiv von ihm selbst beschriebene Etappen seiner Europawanderung veröffentlichen.
02. Januar 2010