4000 Kilometer zu Fuss in neun Monaten
Europawanderer Danny Fränkel verbringt Weihnachten kurz vor Rom. Der Ostthüringer aus Langgrün bei Gefell ist seit Februar zu Fuß unterwegs - er hat schon über 4000 Kilometer in den Knochen.
Langgrün - Bis Rom hat es Danny Fränkel nicht mehr ganz geschafft vor Weihnachten, erklärt er unlängst am Telefon. "Klar, es wäre schon verlockend gewesen, wenn ich am Heiligabend in dieser Stadt gewesen wäre. Aber dass mich meine Füße schon fast bis dahin trugen, ist doch auch toll", freute sich der junge Mann aus dem ostthüringischen Langgrün bei Gefell. Denn hinter dem Europawanderer liegt bereits ein extrem langer Lauf. Seit Februar dieses Jahres legte der 25-Jährige in neun Monaten rund 4000 Kilometer zu Fuß zurück. Größere Pannen gab es nach seinen Aussagen bislang auch nicht - bis auf den Umstand, dass seine Kamera ausgewechselt werden musste und mehrere Schuhpaare aus verständlichen Gründen ihre Dienste versagten und entzwei gingen.
Begonnen hatte der Extremsportler seine Tour mit einem Zug. Von Bad Lobenstein aus fuhr er zunächst bis nach Portugal. In der Gegenrichtung des bekannten Jakobsweges lief der Thüringer anschließend bis nach Spanien. Besonders angetan war der Ostthüringer anfangs von den Pyrenäen und deren Bewohnern. "Dort oben konnte ich das erste Mal so richtig abschalten", erinnert sich Fränkel. Danach zog es ihn weiter bis ins Zentralmassiv Südfrankreichs, wo es neben viel Hitze auch genügend Obst am Wegesrand gab. Zusammen mit einigen ihm sehr vertrauten Arten von Wildpflanzen, konnte sich der Individual-Reisende somit ganz gut ernähren.
Begegnungen gab es unterwegs zudem mit einigen Leuten, die ihn manchmal sogar einluden. "Aber zumeist blieben die Franzosen mir gegenüber recht reserviert", erinnert sich der Abenteurer.
Anfang August bereiste er Genf und sah wenig später den Mont Blanc erstmals aus der Ferne. Später gelang es ihm, diesen höchsten Berg Europas nach einem "reinigenden Gewitter" wunderbar zu fotografieren. Entlang des Pilgerpfades "Via Jacobi" führte seine Strecke weiter bis nach Lausanne. Anschließend folgte der Deutsche dem "Via Francigena" und stellte die persönliche Ernährung auf Weintrauben um. Die gab es in diesem Landstrich zu dieser Zeit in Hülle und Fülle. Eine seiner eisernen Regeln lautet, sich zumeist mit der Nahrung zu versorgen, die es draußen in der Natur gibt. Supermärkte bleiben dagegen außen vor. Endlich erreichte der Langgrüner im Frühherbst die Apenninen, wo es zum Glück kühler und windiger wurde. Durch die Bekanntschaft mit ebenfalls wandernden Italienern lernte Danny Fränkel außerdem die Vorzüge von Esskastanien kennen und durfte zudem kostenlos in einigen Hotels übernachten. Im Gedächtnis haften geblieben sind außerdem die Festungsstadt Lucca und Florenz. Langsam wurde dem Aussteiger nun klar, dass jetzt nach monatelanger Wanderschaft eine längere Auszeit notwendig ist. Auf einem Bauernhof fand er eine kostenlose Unterkunft. Im Gegenzug half Fränkel seinen Gastgebern in ihrer Landwirtschaft.
Trotz aller Entbehrungen ist sich der Ostthüringer sicher, genau das Richtige getan zu haben. Denn durch diese Extremtour sieht der bekennende Aussteiger nach eigener Einschätzung fortan viele Teile Europas mit ganz anderen Blickwinkeln. Und Schluss sei außerdem noch lange nicht. "Maximal feiere ich jetzt zum Jahreswechsel ein kleines Bergfest", erzählte er. 2012 warten auf ihn bereits andere Herausforderungen. "Dann sind Albanien, Mazedonien, Serbien und Kroatien auf meiner Liste", blickt Fränkel voraus.
(Roland Barwinsky)
21. - 30. Dezember 2011