Soweit mich meine Füße tragen


Europawanderer Danny Fränkel aus Langgrün berichtet über seine Erlebnisse in neun Ländern - Englands Wanderpfade (Teil 7)

22 Juli 2009> Über Nacht waren wir mit der Fähre über die Nordsee gesetzt, um frühmorgens an der Ostküste in ‚Kingsdom upon Hull' (Grafschaft Humberside) anzulegen. Mit den Tipps meines Kabinengenossen Neil McD. brach ich in Richtung Nordwesten auf.
Hier fand ich die vermissten Wälder, Berge und Wanderwege wieder. Dafür prallten aber neue Eindrücke auf mich ein: Die Pfade waren mit Schwenktoren abgegrenzt, um freilaufendes Vieh nicht ausbrechen zu lassen. Aber bestätigte sich auch ein permanent rascher Wetterwechsel von Wolken, Sonne, Nebel und Regen, was meine Wäschetage auf der Insel erschwerten. Dafür erkannte ich den Briten eine ausgeprägte Gastfreundlichkeit an. Überall auf den Feldern reiften Gemüse und Früchte im Überfluss.
Gut bepackt kreuzte ich nun Pfade wie den Yorkshire-Wolds-Way, den Calkland-Way, Centenary-Way und Cleveland-Way. Zwischendurch folgten - einzig an einem Tag - eine Häufung von Höhepunkten bei ‚Coneysthorpe' (Grafschaft North Yorkshire): Mit prächtigem Schloss, Mausoleum und einem Tempel. Ständig gaben mir heimische Wanderer Tipps, die meine Planung weiterformten.
Da sich die Wege leider oft in der Heide verliefen und ich umknickte, trat ich auf den größeren ‚Coast to Coast' - mit vielen Feldern, aber kaum Wald. Darum wechselte ich hinter ‚Richmond' zum Hauptpfad mitten im ‚Pennines-Mittelgebirge', das sich bis nach Schottland erstreckt. Dort wurden die Berge und blühende Heide, wie auch braune Morastflüsse zum Augenmerk. Dennoch barg der Weg kleine Herausforderungen, da die Spur durch schlammiges Gras, und bergauf und -ab führte. Oft halfen mir Steinmarkierungen, mich nicht zu verlaufen.
Dafür wurde ich am Fluss ‚Tees' bei ‚Middelton' von der reißenden Strömung gefesselt. Bis er zum ‚Heigh-Force'-Wasserfall in die Schlucht donnerte. Aber sollte ich noch mehr staunen.
Vorher wurde das Bett des ‚Tees' wieder flach. Doch drängten sich breite Geröllberge zu beiden Ufern aneinander. Überall am dunstenden Fluss wucherten Farne. Kein Windchen wehte. Perfekte Lagerbedingungen, dachte ich mir. Perfekte Angriffsfläche, dachten sich auch Schwärme von Ein-Millimeter großen Fliegen, die sogar durch mein Moskitonetz ins Zelt drangen. Nicht schlimm genug, dass die so genannten Midges sich wie Nebel um mich ballten. Neben Erstickungsgefahr bissen sie mich an jeder freien Körperstelle. Notgedrungen aber schaffte ich es, spätabends die Gitter nochmals abzudichten.
Am nächsten Tag zwar von roten Flecken gebranntmarkt, erklomm ich wieder die Berge, bis zum ‚High Cup': Einer tief eingeschnittenen, von Sonnenflecken bemalten Schlucht bei ‚Dufton'.
Nach dieser phänomenalen Aussicht - bis hinüber zum ‚Lake-Destrikt'-Nationalpark - stieg ich einer Reihe von Bergen hinauf und herunter. Nach dem von Sturm umpeitschten Berg ‚Cross Fell' (892 m) erreichte ich die Steinhütte ‚Gregs Hut'. Diese so genannten Bothen sind verschließbare Schutzhütten mit Ofen, Liegeplätzen und Stühlen. Hier begegnete ich auch dem Briten Tony P., der hier neue Kraft schöpfen wollte. Das Gespräch mit ihm tat gut.
Mit Tony am Folgemorgen noch etwas die Berge hinab marschiert, kam ich nach einiger Zeit zum Hadrianswall - einem natürlich langgezogenem Bergkamm, die einst die Römer zur Abwehr der wilden Schotten nutzten. Dort traf ich die Österreicherin Utta, mit der ich zwar ein Stück den Wall entlang wanderte, aber schüttelte sie mich mit ihrer Hast rasch ab.
Allein, aber frei, bestieg ich mit dem ‚Pennine-Way' im ‚Northhumberland'-Nationalpark das Cheviot-Bergmassiv. Er führte genau am schottischen Grenzzaun entlang. Hier oben zogen die unsteten Regenwolken und fauchenden Winde einher. Aber blühte nun die Heide im satten Lila auf. Darum quartierte ich mich für einige Tage in einer kleinen, verschließbaren Shelter ein, um mich auszuruhen und die Aussicht nach Schottland zu bestaunen.