Von Danny Fränkel (23)
Europa. Wenn wir den Namen hören, denken wir an nichts besonderes. Dabei bietet unsere Heimat weitaus mehr, als wir uns vorstellen. Dies habe ich bewiesen:
Denn 5000 Kilometer liegen hinter mir. Ich habe neun westeuropäische Staaten durchwandert, Menschen getroffen und viele prägende Eindrücke gewonnen. Auch peinigte mich oft die Einsamkeit. Warum aber habe ich mir diese Bürde auferlegt?
Wer von uns hat noch nie davon geträumt, alles einfach hinter sich zu lassen, seinen Hausrat zu schultern und loszuziehen? Und seinen eigenen Weg zu bezwingen. Die Welt ist groß.
Doch kamen dann die Zweifel: Was wird aus meinem Job? Woher nehme ich das Geld? Gefährde ich mit meinem Ausbruch meine Zukunft, gar meine Gesundheit?
Mit der Entlassung aus meinem Betrieb - in dem ich meinen Facharbeiter zum Holzmechaniker gemeistert und insgesamt 5 Jahre gearbeitet hatte - wurde mir eines klar: Die Türen standen offen. Außerdem schlug mir der Stress im Betrieb auf den Magen, wodurch beinahe ein Magengeschwür entstanden wäre. Mit diesem Ansporn, dass ich mein Leben nicht der Ausbeute Deutschlands verdingen wollte, stellten sich die Zweifel zu meiner Tour als anfängliche Ausreden heraus. Ich bin jung, ungebunden und voller Ungeduld. Die Wohnung wurde schnell gekündigt.
Natürlich musste ich auch vielerlei vorbereiten.
So legte ich mir nach und nach meine Ausrüstung zu, die ich als Hausrat mit mir tragen würde. Auf dem ‚Rennsteig'-Höhenweg testete ich ein halbes Jahr vor meinem Start (in welcher Zeit ich arbeitslos war) meinen 90-Liter-Rucksack, Schlafsack, Wasserfilter, Solarlader und weitere Kleinigkeiten. Mit dieser Ausrüstung hoffte ich, mich größtenteils frei von der Gesellschaft zu bewegen - ohne teure Herbergen, Flaschenwasser oder Steckdosen.
Jede Mußestunde wanderte ich damit. Die Spaziergänge im Wald, von Frischluft und natürlicher Stille umgeben, ließen mich entspannen und meinenschmerzlichen Magenproblemen ablenken.
Auch sammelte ich Wissen über Essbare Wildpflanzen. Der Naturführer Mike Lenzner / Blankenberg veranstaltet Exkursionen zu diesem Thema. Von ihm konnte man das verlorene Wissen aufsaugen, wie ein Schwamm.
Nebenbei zog mich mein ehemaliger Arbeitskollege Frank Pitzig in die analoge Fotografie hinein, damit ich so meine Reise festhalte. Trotz unseres modernen Zeitalters, hat die altmodische Technik zur digitalen viele Vorteile: Die Kameras verschlingen kaum Strom und erzielen eine deutlichere Tiefenschärfe als bei guten Digitalkameras möglich wäre. Überzeugt, legte ich mir einen Qualitäts-Fotoapparat zu. Auch besuchte ich viele Diavorträge.
Während der Recherche und Routen-Planung lernte ich aus einem Survival-Buch einige Outdoor-Tricks. Ich härtete mich durch Fitness, Wechselduschen und auch Eisbaden ab.
Auch suchte ich Begleiter, die mit mir ausbrechen wollten. Als ich mich mit einer Hand voll getroffen hatte, sagten einige wieder ab. Einzig eine Frau mit Sohn wollte mich zum Anfang begleiten. Ich war optimistisch.
Als mir im Januar 2009 mein Freund Peter Lemmer eine Internetseite - mitunter für die Reise - erstellte, nahm mein Plan immer deutlicher Form an. Einerseits brannten meine Füße auf den Start. Andererseits fragte ich mich nun: Wo habe ich mich da hineingeritten? Meine Wohnung hatte ich schon gekündigt.
Also hielt ich an meinem Plan fest.
Bis über Ostern hinaus übte ich, holte Impfungen ein und schloss mit der Bürokratie (Krankenversicherung und Abmeldung von der Arbeitsagentur) ab.
Obwohl gerade meine Eltern von meiner Reise nicht begeistert waren, gab ich noch ein großes Abschluss-Essen vor dem Start. Dabei konnte ich sie mit einer Rede und der Erläuterung meines Plans beschwichtigen.
Am 26. April 2009 war es soweit: Unter blühenden Kirschbäumen verabschiedete ich mich von meiner Familie. Doch als auch meine beiden Anfangsbegleiter absagten, wurde ich bewegungslos. Wofür aber hatte ich soviel aufgegeben - ein ganzes Leben zerstört?!
So stieg ich in den Zug. Mein Ziel war "Wetzlar" (bei Frankfurt / Main). Dort hatte ich meinen letzten Traum - beim Verlag meines Romans - gelassen. Und ersetzte ihn von hier aus durch einen neuen. So marschierte ich los. Für ein ‚neues' Leben.