Soweit mich meine Füße tragen
Europawanderer Danny Fränkel aus Langgrün berichtet über seine Erlebnisse in neun Ländern - Deutsche Rückkehr, mit Endfazit (Teil 14)
21. Dezember 2009 > Mit dem Nachtzug vom französischem ‚Bayonne', stieg ich in ‚Paris' noch einmal um. Somit querte ich - in weißer Schneepracht - die rheinische Grenze zu ‚Saarbrücken' (Saarland). Mit einem Schmunzeln musste ich unterdrücken, die Leute nun in Fränzösisch anzusprechen. Doch fielen mir abrupt die grimmigen und schlecht gelaunten Menschen auf.
Mit mehreren Umstiegen ab ‚Frankfurt / Main' (Hessen) kam ich abends in ‚Saalfeld' (Thüringen) an. Obwohl ich auf eine Übernachtung bei Weltenumradler Axel Brümmer hoffte, stellte ich fest, dass die Familie derzeit im südamerikanischen Brasilien bei einer Heirat war. Als mich aber der hilfsbereite Messerschmied Jürgen T. in seine Hütte zur Nacht einlud, ersparte sich mein Zeltaufbau. Etwas Feuer entzündet, plauderten wir mit aufgeheiztem Glühwein.
Nach einer Hilfsaktion im festgefahrenen Schnee, verabschiedete ich mich am nächsten Morgen von Jürgen, und erklomm in sonnig-tauender Winterlandschaft den Hohewarte-Wanderweg an der Saale. "Genieße die letzten Tage in unbürokratischer Freiheit" hat mir ein Verwandter gesagt. Gehört, getan, übernachtete ich noch zwei Nächte in Schützhütten (Mooshäuschen, Rühler Teufelskanzel), mit stimmungsvollem Ausblick auf die Saaleschleifen. Dennoch fröstelte ich nachts etwas, was ich mit Brennnesseltee aus Frankreich ausglich.
Dafür waren am 23. Dezember nicht nur Quellen vereist, sondern auch das ganze "Ziegenrück". Weiterhin erwärmte ich mich mit dem Marsch an der Saale, genoss die kühle Heimatluft. Auch war es mir ungewohnt, überall Bänke und Schutzhütten an den Wegen vorzufinden. Zum Abend besuchte ich in ‚Eßbach' Frank K., dessen Sohn einst mit mir gearbeitet hatte. Etwas beim Weihnachtbaum-Schmücken dirigiert, schloss er mich - nach dem Abendbrot - leider wieder aus, da er über Nacht in einem Nachbarort gebraucht wurde.
Trotz der winterlichen Kälte stand ich am 24. Dezember früh auf, um mich rasch nach ‚Schleiz' zu stemmen. Obwohl ich mit dem Bus einige Klometer bis nach Hause einsparen wollte, verpasste ich den letzten für heute. Darum klingelte ich bei meinem ehemaligen Wohnblock-Aufgang Renate K. heraus, die geschwätzig ihre Freundin Katrin R. anrief. Diese nahm mich nachmittags nach ‚Saaldorf' mit und rettete den Tag.
Aufgeregt marschierte ich die restlichen fünf Kilometer in meinen Heimatort ‚Langgrün'. Während die Bewohner sich beim Grippenspiel den Hintern abkühlten, klingelte ich bei meinem Elternhaus. Unwissend wischten meine Eltern die Scheibe ab und öffneten die Tür. Überraschung!
Nachdem sie sich wieder gefangen hatten, übergab ich ihnen vier Kilogramm frische, französische Chilischoten als Weihnachtsgeschenk. Wohl aber waren sie nicht nur darüber erstaunt. Somit endete meine Reise mit einem gesegneten Fest.
Endfazit der Reise: Beim Zelten wurde ich nie verraten. Trotz anfänglicher Eingewöhnungs-Probleme fand ich immer wieder Lösungen und lernte daraus. Pläne änderten sich oft. Ich tilgte meine Gastritis (nervösea Magenleiden) beinahe restlos, durch natürliche Nahrung und ohne Medikamente. Mein Kopf war freier als zuvor, ans Geld dachte ich kaum. Größtenteils ernährte ich mich von Brot, Haferflocken und Wildpflanzen. Ich nahm nur acht Kilo ab und war kaum krank. Während der Wanderung kräftigte mich durch das Laufen und Abhärtung. Augenmerke und Fotos ließen mein Herz höher schlagen, genau wie Unterhaltungen mit Menschen. Mein zuvor schlechtes Englisch verbesserte sich ab England permanent, französisch dafür nicht. Menschen in Westeuropa fanden selten die Zeit, um mich länger als eine Nacht als Gast aufzunehmen. Nur ein Bauernpaar in Schottland hatte es mir angeboten. Mein Hohlkreuz verschwand größtenteils durch Muskelbildung und Gymnastik. Ultraschall und Röntgen zeigten, dass meine Organe samt Wirbelsäule gesund und schadenlos sind. Dennoch verkümmerten durch die fehlende Belastung meine aufgebauten Bauch- und Schultermuskeln wieder.
Eins aber weiß ich bereits: Dies wird nicht die letzte große Wanderung sein.
Ihr Europawanderer Danny Fränkel