Soweit mich meine Füße tragen
Europawanderer Danny Fränkel aus Langgrün berichtet über seine Erlebnisse in neun Ländern - Wildes Schottland (Teil 9)
3. September 2009 > Nun hatte ich also meinen Nordpunkt an der Westküste Schottlands erreicht. Noch von Nebelschwaden und Regengüssen umhüllt, ist der ‚Loch Lomond' (Nationalpark Trossachs) in einem Tal eingekesselt. Durch die speißenden Wasserfälle und der Meeresverbindung ist er der größte See des Landes. Dazu fällt hier viermal mehr Niederschlag als an der Ostküste Britanniens.
Über die klitschigen Pfade des hier entlangführenden ‚Westhighland-Ways' hinauf, erreichte ich die Steinbothe ‚Doune Byre'. In ihr richtete ich mich für mehrere Tage ein, trocknete ich Sache und reparierte. Neben dem Holzschlagen für den Kamin, entdeckte ich allerlei Hirschkühe in der Nähe, genauso wie Wildziegen, deren Fell man schon aus 500 Metern Entfernung roch.
Auch lernte ich - durch den Wandertourismus - viele Menschen kennen, die in der Steinhütte übernachteten. Etliche kamen auch aus deutschen Regionen. Eines Nachmittags erschienen jedoch sechs bullige Schotten - mit zwei Kindern - die Unmengen Bier soffen, mein Holz verfeuerten, grölten und bis in die späte Nacht hinein auch noch koksten. Hätten mir nicht vier deutsche Frauen über Nacht Gesellschaft geleistet: Ich hätte im Regen mein Zelt aufgeschlagen.
Kaum waren die Schotten am Folgemorgen gegangen, versuchte ich etwas zu schreiben. Doch herrschte in der Bothe drückende Stimmung, sowie wenig Licht.
Darum verließ ich sie und marschierte einige Meilen nach Süden. Einige Wanderer hatte mir einen Tipp gegebenen: Ich verließ den Hauptweg des ‚West-Higland-Ways' in einer kaum sichtbaren Weggabelung und fand im Walddickicht die ‚Rowchoish-Bothe'. In ihr wurden nämlich vor kurzem Plexiglas-Dachelemente restauriert. Ich fand darum genug Licht zum Schreiben, und weniger Wanderbetrieb. Mit dem Schotten David P. - der wie ich mehrere Tage in den Bothen verweilte - teilte ich mein Wissen über essbare Wildpflanzen und schlug Holz für einen abendlich knisternden Kamin. Leider brach er am nächsten Tag wieder auf.
Auch ich marschierte dem gut ausgebauten ‚West-Highland-Way' weiter - nach Süden. Der ‚Loch Lomond' hatte in der ersten Woche meist im Regen gelegen. Nun aber klarte es auf. So fotografierte ich äußerst seltene Lichtaufnahme des Sees. Auch konnte mein Solar nun viele leeren Akkus laden.
Am ‚Conic Hill' bei ‚Drymen' (Destrikt Stirling) verließ ich ihn leider und marschierte talweinwärts. In ‚Milngavie' - am Ausgangspunkt des Ways (für mich Endpunkt) -, traf ich auf einem Campingplatz Oliver A. - einem ‚West-Higland-Way'-Wanderer - wieder. Er hatte mit mir eine Nacht in der ‚Doune Bothe' verbracht. Dank ihm konnte ich endlich mein unbenutzten Romeykarten auspacken und benutzen.
Als sich unserer Wege dann in ‚Glasgow' trennten, verzweifelte ich beinahe: Ein Postlagerungs-Paket meiner Eltern war noch nicht bei der Post angekommen, obwohl es bereits überfällig war. Ich musste drei weitere Tage darauf warten, vertrieb mir die Zeit mit neuer Wanderstiefel-Suche (die alten waren verschlissen) und sinnloser Bereicherung teurer Cafes. Übernachten dafür tat ich gut versteckt in Stadtpark-Dickichten.
Als das Paket plötzlich ankam, schnappte ich es und flüchtete aus der Stadt, hinunter zum Hafen von ‚Troon' (Destrikt South Syrshire). Dort buchte ich ein Fährenticket: Die Grüne Insel wartete bereits.